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Ben Sauls Vorwurf rückt die Rechtmäßigkeit der US-Angriffe auf Boote, die mutmaßlich Drogen transportieren, erneut in den Fokus. Washington erklärt, es führe einen bewaffneten Konflikt mit entsprechend eingestuften Gruppen; Saul bestreitet, dass dies den Einsatz tödlicher Gewalt rechtfertigt.
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Bei einem Auftritt vor dem Dritten Ausschuss der UN-Generalversammlung am 21. Oktober sagte Ben Saul, die Vereinigten Staaten hätten im vergangenen Jahr bei 71 militärischen Angriffen auf Boote mindestens 239 Menschen getötet. Saul, der UN-Sonderberichterstatter für Terrorismusbekämpfung und Menschenrechte, bezeichnete die Angriffe als außergerichtliche Tötungen und sagte, sie kämen einem systematischen Angriff auf Zivilisten gleich – einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das ist seine rechtliche Einschätzung, keine Entscheidung des Ausschusses oder eines Gerichts.
Die Trump-Regierung vertritt eine andere Auffassung. In einer Mitteilung an den Kongress vom Oktober 2025, die in einer Entscheidung eines US-Bundesgerichts zitiert wird, erklärte das Weiße Haus, das Land befinde sich in einem nichtinternationalen bewaffneten Konflikt mit entsprechend eingestuften Organisationen und handele in Selbstverteidigung. Das US Southern Command hat einzelne Angriffe bekannt gegeben, darunter einen am 4. Oktober in der Karibik, bei dem seinen Angaben zufolge vier Menschen getötet wurden. Associated Press berichtete, das Militär habe keine Belege dafür vorgelegt, dass das Boot bei diesem Angriff Drogen transportierte.
Im Kern steht die Frage, ob der Verdacht auf Drogenhandel militärische Angriffe rechtfertigen kann. In einem früheren Bericht argumentierte Saul, Drogenhandel stelle keinen bewaffneten Angriff auf die USA dar; weder ein bewaffneter Konflikt noch eine unmittelbare Lebensgefahr rechtfertigten die von ihm untersuchten Angriffe auf Boote. Selbst wenn ein Boot Drogen transportierte, wäre damit allein die Frage nach der Rechtmäßigkeit tödlicher Gewalt nicht geklärt. In seinem Bericht vom Juli hieß es, die Angriffe *könnten* Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen; in seiner Erklärung am Mittwoch erhob er diesen Vorwurf mit größerer Bestimmtheit.
Die genaue Zahl der Todesopfer ist weniger gewiss als das Ausmaß der Angriffskampagne. Die Chronologie der Vorfälle von Just Security zählte bis zum 4. Oktober 238 Tote bei 71 Angriffen, darunter 23 Vermisste, die als tot gelten. Nach dem Angriff an diesem Tag berichtete AP von mindestens 235 Toten bei 70 Angriffen. Diese früheren Zählungen beruhen zu einem großen Teil auf Zahlen aus US-Mitteilungen und belegen nicht, dass Sauls spätere Zahl falsch ist.
Noch schwieriger ist es, die Getöteten zu identifizieren. Airwars berichtete im August, dass von den damals mindestens 227 erfassten Getöteten nur 26 öffentlich namentlich bekannt waren. In Militärvideos fehlten laut Airwars häufig die Orts- und Zeitangaben, die nötig seien, um die Angriffe zu rekonstruieren. Senator Tim Kaine sagte, seine Auswertung geheimer Unterlagen deute darauf hin, dass einige der Getöteten nicht am Drogenhandel beteiligt gewesen seien; die Unterlagen, auf denen diese Einschätzung beruht, wurden nicht veröffentlicht.
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