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Von jungen Menschen angeführte Proteste haben sich in ganz Europa ausgebreitet. Die Sorgen reichen von Bildung und Wohnraum bis zu den Lebenshaltungskosten. Einige Demonstrationen sind gewalttätig geworden, während Regierungen angesichts einer Reihe anstehender Wahlen unter Druck stehen, zu reagieren.
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In den vergangenen Wochen haben sich junge Menschen in ganz Europa Protesten gegen Probleme im Bildungswesen, hohe Wohnkosten und Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft angeschlossen. Einige Demonstrationen sind gewalttätig geworden. Die Breite der Unruhen wirft die Frage auf, ob getrennte nationale Konflikte zu einer umfassenderen Unzufriedenheit beitragen – und wie die Regierungen reagieren werden, wenn Wahlen näher rücken.
In Frankreich, Belgien, Irland, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Serbien und Albanien fanden Märsche und Kundgebungen statt. Größe und Schwerpunkt der Proteste waren unterschiedlich: Schülerinnen und Schüler in Frankreich beklagten Personalmangel und den verfallenden Zustand von Schulgebäuden, während Wohnkosten in Madrid und Lissabon ein großes Thema waren. In Albanien forderten Demonstrierende den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama und warfen der Regierung Korruption vor.
Viele Aktionen wurden informell über soziale Medien organisiert und griffen mitunter Parolen oder Proteste andernorts auf. In Barcelona verwendeten Studierende den Hashtag #InstitutsIndignats, der an einen französischen Studentenslogan angelehnt ist. Der belgische Innenminister Bernard Quentin kritisierte, was er als „TikTokisierung“ der Proteste bezeichnet.
Die Beschwerden gehen über das Bildungswesen hinaus. Junge Menschen haben Sorgen über die Lebenshaltungskosten, den Zugang zu Wohnraum, die Umwelt und die Aussicht geäußert, dass künstliche Intelligenz die Beschäftigungsmöglichkeiten verringern könnte. In Lissabon sagte die 26-jährige Doktorandin Carolina Cruz Reuters, sie habe Angst, ihre Wohnung zu verlieren, wenn ihr Mietvertrag endet. „Ich bin die Erste in meiner Familie, die ein Promotionsstudium aufnimmt, und trotz all des Lernens, das ich hinter mir habe, schaffe ich es immer noch nicht“, sagte sie.
Die Proteste bringen auch Menschen mit unterschiedlichen politischen Anliegen zusammen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung der französischen Nationalistin Marine Le Pen sagten junge Unterstützer der Europa-Redakteurin des BBC, Katya Adler, sie machten sich Sorgen über Einwanderung, die Sicherheit auf der Straße und die Lebenshaltungskosten. Auch Gewerkschaften und andere Gruppen haben sich der breiteren Protestwelle angeschlossen, sodass es schwierig ist, die Demonstrationen als eine einzige Bewegung zu betrachten.
Die meisten Proteste begannen friedlich, doch auf einige folgten Plünderungen und Zusammenstöße. Französische und belgische Nachrichtendienste bezeichneten Plünderungen im Umfeld genehmigter Demonstrationen als überwiegend opportunistisch, während die Behörden auch auf Gewalt durch radikale Gruppen verwiesen. Belgische Amtsträger machten extrem linke Gruppen verantwortlich; die nationalistische Partei Vlaams Belang bezeichnete die Unruhen in Brüssel und Lüttich dagegen als „importiert“ und brachte sie mit Einwanderung und Integration in Verbindung. Dies sind konkurrierende politische Deutungen, keine abschließende Erklärung der Gewalt.
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Die Unruhen haben auch die Debatte über die Polizeiarbeit und den Umgang mit jungen Menschen in benachteiligten Vierteln neu entfacht. Einige französische Medien fragten, ob radikale Aktivisten und Jugendliche aus den Banlieues bei den Ausschreitungen zusammengekommen seien, während Bewohner dieser Gebiete seit langem über Diskriminierung und ein hartes Vorgehen der Polizei klagen. Der BBC-Bericht erwähnt Vorwürfe übermäßiger Polizeigewalt ebenso wie Anschuldigungen, die Krawalle seien gezielt organisiert worden.
Mark Leonard, Direktor des European Council on Foreign Relations, sieht die Proteste vor dem Hintergrund einer Reihe ungelöster Krisen, von der Finanzkrise 2007/08 und der Migrationskrise 2015 bis hin zur Pandemie, zur Inflation und zum Krieg in der Ukraine. Seiner Ansicht nach können soziale Medien gegensätzliche Sichtweisen darauf verfestigen, welche Probleme am wichtigsten sind.
Nathalie Tocci, eine ehemalige Beraterin der italienischen Regierung und Politikprofessorin an der Johns Hopkins University, sagt, die Proteste zeigten, dass junge Menschen politisch engagiert seien, auch wenn ihre Beteiligung stärker an der Basis verankert sei. Sie mahnt jedoch, dass noch unklar sei, wie lange die derzeitigen Demonstrationen andauern werden.
Die Regierungen haben ein härteres Vorgehen gegen Randalierer angekündigt. Frankreich und Italien haben Maßnahmen nach dem Prinzip „Wer etwas kaputt macht, muss dafür zahlen“ angekündigt; Italien plant außerdem, Eltern für Schäden haftbar zu machen, die Minderjährige verursachen. Unterdessen stehen in großen europäischen Ländern Wahlen bevor, und Parteien, die eine härtere Law-and-Order-Politik versprechen, liegen in mehreren davon in Umfragen vorn.
Ob sich die Proteste zu einer dauerhaften Bewegung entwickeln, ist ungewiss. Ihre unmittelbare politische Bedeutung ist klarer: Die Regierungen stehen unter Druck, die Anliegen junger Menschen aufzugreifen und zugleich auf Gewalt und die Forderungen der Öffentlichkeit nach Ordnung zu reagieren.